Scorpions-Fusion: Nur Verträge fehlen noch

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Die Mannschaften wissen Bescheid, die Fans auch. Und selbst bei den Bürgermeistern wurde vorgesprochen. Theoretisch also ist alles klar für die Fusion der zwei Eishockey-Herren-Teams der Scorpions. Einzig die Verträge fehlen noch. Doch was genau bedeutet dies für Langenhagen und Mellendorf?

 

 

Langenhagen/Mellendorf. Wenn es um Eishockey geht, gerät bei so manchem Zuschauer das Blut in Wallung. Im Fall der beiden „Scorpions“-Teams in Langenhagen und Wedemark betrifft dies jedoch nicht nur Fans der Sportart. Deshalb hat die Nachricht von einer möglichen Fusion der Herren-Mannschaften und dem damit verbundenen Umzug zur Spielstätte nach Mellendorf durchaus Fragen aufgeworfen in Langenhagen. Jochen Haselbacher, Vorsitzender des Vereins in Mellendorf, und Kay Uplegger, zentraler Geschäftsführer der Eishallen-GmbH in Langenhagen, können derzeit einige davon beantworten.

• Warum spielt das Team künftig in Mellendorf?

Weil das Eisstadion dort größer ist. „Mellendorf hat eine lange Tradition: Man bekommt dort einen kalten Hintern, aber es hat eine tolle Atmosphäre“, beschreibt es Jochen Haselbacher. Nur Mellendorf erfüllt mit 3600 Plätzen die Auflagen für einen Aufstieg in die DEL 2. Langenhagen dagegen fasst maximal 1400 Zuschauer bei Eishockey-Spielen. „Dafür haben wir hier einen tollen VIP-Bereich, also beste Voraussetzungen für Sponsoren-Veranstaltungen“, hält Kay Uplegger fest.

• Also zieht Langenhagen den Kürzeren?

Nein. Hier widersprechen beide vehement. Vielmehr wollen sich beide Spielstätten künftig deutlich besser aufeinander abstimmen. „Im Kern geht es um die Zeit von April bis Oktober, in der wir sonst bei enorm hohen Energiekosten nur geringe Einnahmen haben und damit Geld verbrennen“, sagt Haselbacher. „In diesen Phasen wollen wir uns nicht gegenseitig mit gleichartigen Veranstaltungen blockieren“, sagt Uplegger. Gemeint sind Eisstock-Schießen oder auch das Angebot für Schulen. „Beide Spielstätten liegen ideal an derselben S-Bahn-Strecke. Es wäre deshalb überlegenswert, die Schul-Nutzung wochenweise auf jeweils eine Spielstätte zu begrenzen“, dann, so Haselbacher, könne der jeweils andere die Personalkosten für den Eismeister sparen.

• Was gewinnt Langenhagen dabei?

Beispielsweise mehr Trainingszeiten für den Eiskunstlauf. „Wir haben auch in Mellendorf einen enormen Bedarf“, betont Haselbacher. Warum also nicht einige der Traningstage von Mellendorf nach Langenhagen verlagern? Uplegger ergänzt: „Man darf zudem die Umsatzerlöse bei den Scorpions-Spielen nicht überschätzen.“ Im Verhältnis zu den Einnahmen durch öffentlichen Lauf lägen die Umsätze bei Eishockey um ein Mehrfaches darunter. Auf allen Ebenen wollen sich die beiden Sport- und Veranstaltungsstätten besser absprechen: Trainingszeiten, öffentlicher Lauf, Spielbetrieb und Veranstaltungen. „Klar aber ist auch, dass außer den Oberliga-Spielen nichts anderes aus Langenhagen abwandern würde“, betont Uplegger. Der komplette Vereinssport und auch die Sledge-Hochey-Teams bleiben. „Überdies wird das neue Scorpions-Team eine zweite Mannschaft haben, die dann in Langenhagen spielt“, ergänzt Haselbacher.

• Ist bereits alles besiegelt?

Nein. Nachdem zunächst die beiden betroffenen Bürgermeister ins Boot geholt worden seien und auch die Fans bei gesonderten Stammtischen auf eine Gegenrede verzichtet haben, geht es nun um die Verträge. Die große Nummer, eine Fusion auch der bestehenden Betreibergesellschaften, scheidet bis auf weiteres aus. Zu unterschiedlich sind die bestehenden Vereinbarungen mit der jeweiligen Kommune. „Wir werden voraussichtlich für die Mannschaft eine Gesellschaft gründen und alle weiteren Kooperationen untereinander absprechen“, beschreibt es Uplegger. Beide rechnen mit einer Vertragsunterzeichnung im ersten Quartal des kommenden Jahres. Bis Ende Mai müsste das neue Team bei der Liga gemeldet sein. „Es wird Hannover Scorpions heißen“, betont Haselbacher. „Dies ist der Kompromiss, wenn die Spiele künftig in Mellendorf laufen sollen.“ Bis dahin wollen sich beide noch Aktionen ausdenken, um beide Fan-Gruppen zu einer Familie zusammenzuführen.

SPD stellt Ratsanfrage zur Eishalle

Einen besonderen Anlass für den Zeitpunkt gebe es nicht, betont Langenhagens SPD-Chef Marco Brunotte. Und doch taucht in der jetzt ans Rathaus geschickten, umfänglichen Ratsanfrage sehr wohl die Frage auf, ob die Fusion der Eishockey-Teams Auswirkungen auf die Vereinbarung der Betreibergesellschaft mit der Stadt habe. „Wir sind sehr an einem guten Ergebnis der Halle interessiert und fragen deshalb regelmäßig nach den Ergebnissen“, betonte Brunotte auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Stadt zahlt der Eishallen-GmbH monatlich einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 10.000 Euro für den öffentlichen Lauf. Sollte die GmbH in diesem Sektor einen Gewinn erwirtschaften, muss sie diesen mit der Stadt teilen. Eine Antwort auf die Anfrage steht noch aus.

Von Rebekka Neander